Donnerstag, 13. Mai 2010

Die Kollegin hat eine veritable Villa geerbt und ein halbes Mietshaus;
beides in der Schweiz, die eine am See, das andere in der Stadt.
Ihr Mann verlangt, dass sie einfach so weiterleben wie bisher. Sie weint.

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Mittwoch, 12. Mai 2010

Ich liebe meine Mittwoche, jedenfalls dann, wenn ich es schaffe, gegen Abend in die Musikschule zu gehen. Auf dem Weg dorthin komme ich als erstes an meinem Lieblingstabakladen vorbei, gleich nebenan mein zweitliebster Blumenladen, dann der Bäcker mit dem tollen Olivenbrot. Ein paar Schritte weiter der Copyshop, in dem Studenten arbeiten, die einem für ein bisschen Trinkgeld gerne die lästige Kopiererei abnehmen (heißt: auf dem Hinweg abgeben und auf dem Rückweg wieder abholen). Auch Klamottenläden sind zu passieren, die man am Freitag aufsuchen kann, wenn die Schaufenster mittwochs locken.

Beim Queren der Fußgängerzone sollte man immer ein paar Silbermünzen für die Musikanten übrig haben, dann weiter und am Fischgeschäft unbedingt mit geschlossenen Augen vorbei gehen (riecht wie Urlaub in Marseille). Danach noch ein Klamottenladen, noch ein Bäcker und noch ein Blumengeschäft (alles etwas preisgünstiger); außerdem ein Café, ein Drogeriemarkt für die lästigen Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs, Apotheken, Optiker, Feinkost, Früchte, Süßwaren, Kaufhaus - alles da.
Zuletzt: ein großer Platz, ein Zebrastreifen und die Tür in eine andere Welt.

Junge und junggebliebene Menschen mit ihren Instrumenten kommen und gehen; treppauf- und treppab klingt's und singt's gedämpft aus Übungs- und Unterrichtsräumen; ab und an gibt's auch eine größere Veranstaltung für die Öffentlichkeit. Alles ist etwas verwinkelt und unübersichtlich für ein Dorfkind wie mich, aber wenn ich am Jimi-Hendrix-Plakat vorbeikomme, ist alles gut: nun noch die Feuerschutztür und ich bin im Keller bei den Trommlern.

Hinaus geht's leichter: der Lehrer begleitet mich, wir teilen uns eine Zigarette, auch wenn der nachfolgende Schüler schon mit den Hufen scharrt. Und der nächste Bus, der kommt, entscheidet über den Verlauf meines Abends: Kino, Eis, kurz zur Freundin oder doch direkt nachhause.
Heute: frische Korrekturstifte, Popcorn, Schreibtisch. Morgen ausschlafen.

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Dienstag, 11. Mai 2010
Arabia Ruska

Eigentlich wollte ich den ollen Plunder ja loswerden, stattdessen habe ich drei schwarzbraune Henkelbecher erstanden. Nein, nicht die mittleren, sondern die richtig großen: 10 cm Durchmesser, knapp 9 cm hoch, stehen schön stabil und fassen 400 ml, auch wenn man immer weiter schwarzen Kaffee reingießt, weil man nicht sieht, dass sie voll sind.

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Montag, 10. Mai 2010

An unseren Hochzeitstag - heute vor zig Jahren - erinnert sich/mich: mein Ex.

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Sonntag, 9. Mai 2010

Es sei Muttertag heute, behauptet man, und von mir aus können wir auch gerne miteinander feiern, aber lasst bitte diese lächerliche Gratuliererei.

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Samstag, 8. Mai 2010

hand-ver-lesen.

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Freitag, 7. Mai 2010

ach damals (vor fünf jahren) - da dachte ich noch, alles wäre gut. gut so.

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Mittwoch, 5. Mai 2010

Der Praxisbesuch in einem Alzheimer-Tageszentrum brachte mir zur Freude der Schülerin zwei neue Verehrer ein. Der eine, ein leidenschaftlicher Raucher, bekommt jetzt jeden Abend eine CAMEL CRUSH, wenn er - wie mir versprochen - nicht mehr randaliert. Der andere, ein ehemaliger Übersetzer, darf mir in einer Sprache seiner Wahl einmal täglich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen - sofern ihm die Telefonnummer einfällt. Ab und zu komme ich vorbei, bringe Zigaretten-Nachschub, trinke eine Tasse Kaffee mit der Leitung und gehe dann mit den Herren am Rhein spazieren. Und als Praktikantinnen werden bevorzugt jene eingestellt, die ich empfehlen kann.

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Dienstag, 4. Mai 2010
RTFM

Am Ende erkundigt sich jemand nach dem Web-Zeitalter (mit langem "e").

Vorher schreibt einer "Phobas" - und ich brauche eine Weile, bis ich begreife, dass er den Fauxpas erst gar nicht gesucht hat in den Lexika, die zum allgemeinen Gebrauch ausliegen.

Eine andere macht sich bemerkbar und zeigt mit spitzem Finger auf ein Wort im Sachtext; ob das richtig geschrieben sei, sie habe es im Fremdwörterbuch nicht finden können. (Es handelt sich um das deutsche Wort "verhuscht", dessen Bedeutung der Rechtschreib-Duden vorsorglich erklärt. Noch eine halbe Stunde später schüttelt sie darob ihr wohlfrisiertes blondes Köpfchen.)

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Sonntag, 2. Mai 2010

Und morgen staunen sie dann wieder, wie schnell so etwas geht. Außer denen, die samstags Mails rumschickten und sich am Sonntag telefonisch arrangierten.

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Samstag, 1. Mai 2010
Steak, Frites, Salade

Auf dem Weg hierher klären sie noch ab, wen sie mitbringen zum Essen.
Und wie immer stecken sie mich an mit ihrer Lebensfreude. Dann läuft alles wie am Schnürchen: ich koche, einer führt die Gäste rum, der andere sorgt für Getränke; wer neu ist, deckt den Tisch. Später wird getrommelt und gesungen.

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Donnerstag, 29. April 2010

Wie das, was gewesen ist, vergiftet wird von dem, was sich gerade zuträgt.

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Montag, 26. April 2010

Lange gesucht - endlich gefunden - und gleich wieder verloren.
Weil sie schon verkauft waren, 'meine' Gläser von Per Lütken. |x|

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"Un petit blanc?", grinst der Nachbar schon morgens um elf und schwingt mit der Linken zwei Gläser aufs neue Gartentischchen und in der Rechten einen kühlen Grauburgunder. Später etwas Brot und Oliven. So schön, der Sonntag.

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Samstag, 24. April 2010

Seit sie erfolgreich ausgezogen sind, hat es sich eingebürgert, dass die Jungs am Samstag Abend zum Essen kommen. Sie wollen dann erstens viel und zweitens Fleisch. Ich brutzele das Doppelte der üblichen Menge und noch eine Portion für den Topf und staune jedes Mal wieder, dass am Ende alles aufgegessen ist. Ihr Bier und die Musik bringen sie mit - da unterscheiden sich unsere Geschmäcker dann doch erheblich. Und wenn alles getrunken ist, sind auch die Ereignisse der vergangenen und die Vorhaben der kommenden Woche erzählt und sie ziehen von dannen. Ab Sonntag rufen dann Väter, Mütter und sonstige vormals Erziehungsberechtigte an, um ihren Anteil an den Neuigkeiten abzugreifen - aber auf die Idee, einfach mal selber was auf den Tisch zu bringen und eigenen Senf dazuzugeben, kämen sie nie im Leben.

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